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Beim „Mörderischen Jubiläum” im Dorint Hotel wurde diniert und ganz nebenbei auch ein Kriminalfall gelöst

h1.Rauchende Köpfe über verdächtiger Pilzsuppe

von LINDA KÖNNECKE

MÖRDERISCHE UNTERSTÜTZUNG bekam Lady Heartsborough alias Barbara von Münchhausen von 2 Herren aus dem Publikum. Die Dinner-Gäste im Dorint Hotel konnten mit ihrer Hilfe den gesuchten Mörder des adligen Lords finden

Der Sherlock-Holmes-Hut passt gerade so auf den Kopf, Stift und Block sind gezückt, als die abendlichen Detektive die Haushälterin nach brauchbaren Informationen löchern. Rund 150 Geschäftsmänner und -frauen haben sich an diesem Dienstagabend im Potsdamer Dorint Hotel eingefunden, um beim „Mörderischen Jubiläum” nicht nur kulinarische Speisen zu genießen, Isondern hauptsächlich einen Kriminalfall zu lösen.
Es wird geknobelt und kombiniert, verwirrt und informiert – damit am Ende der wahre Mörder gefunden werden kann.

Lord William Heartsborough hat an die­ sem Abend zu seinem 60. Geburtstag den englischen Hochadel eingeladen und ist trotz schwerer Erkältung im Festsaal erschienen. Für die vielen Jahre hat sich der Mann recht gut gehalten, schließlich ist es kein zurechtgeschminkter Schauspieler, sondern Hoteldirektor Carsten Colmorgen höchstpersönlich, der in die Rolle des Lords geschlüpft ist und nun mit hüstelnder Stimme den Erkrankten mimt: „Ich… meine werten… entschuldigen mich…” Obwohl tragende Figur, ist er nur für wenige Minuten auf der Bühne zu sehen, denn kurze Zeit später fällt der Mann vor den Augen des Publikums tot um. Womit nun der eigentliche Abend beginnt. Bereits während des Sektempfangs haben sich die Schauspieler in ihren Rollen als Lady Heartsborough und Sohn Edward unter das dinner- und krimifreudige Publikum gemischt, um einen positiven Eindruck zu hinterlassen. Schließlich wissen die Anwesenden ja schon durch die Ankündigung, dass es an diesem Abend einen heimtückischen Mordfall aufzuklären gilt. Passenderweise erhält jeder Gast einen hochtrabenden Adelstitel wie etwa „Baroness Flieder von Fliederhof”, was der Dinnerveranstaitung mit detektivischer Nebentätigkeit das gewisse Etwas verleiht.

„Mein Name ist Lady Lilian Heartsborough und ich habe mir nichts vorzuwerfen”, stellt sich Barbara von Münchhausen in ihrer Rolle als affektierte Adelsgattin vor, wobei sie jeden Vokal mit einem runden Mund ausspricht. Auch die anderen sechs Schauspieler, die hauptberuflich an Stuttgarter Bühnen spielen, gehen gänzlich in ihrer Rolle auf. Vom extrovertierten Sohnemann Edward bis zur naiven Haushälterin – den Jubiläumsgästen werden beim ersten Menügang neben einem „harmlosen Aperitif auch die ersten Hinweisen zum Mordfall serviert. Ob wohl die Bedienungsanleitung zum Safe Aufschluss über den Mörder und sein Motiv gibt? An den einzelnen Tischen haben sich so genannte Detektiv-Teams gebildet, die gemeinsam im Wettstreit mit den anderen Dinner-Gästen den verzwickten Fall lösen wollen. Nach kurzer Absprache werden jeweils ein „Dr. Watson” und ein „Sherlock Holmes” ausgewählt, um bewaffnet mit Schottenmütze. Melone und Schreibblock, nach dem Vorspeisen-Verzehr exklusive Informationen beim „Times-Magazin” oder dem Notar der Heartsboroughs einzuholen.

Da stehen sie dicht gedrängt, Melone an Melone, und löchern die ihnen angebotenen Quellen, doch nur wer die richtigen Frage stellt, bekommt auch wirklich eine Auskunft. Andere kehren noch verwirrter als zuvor zu ihrem Team-Tisch zurück und diskutieren mit ihren Sitznachbarn die möglichen Verbindungen der Familie. Dabei geben sich einige Laien-Detektive sehr hitzig bei ihrer Recherche, posaunen ihre Kombinationen laut heraus, dass auch der gegnerische Tisch vom Ergebnis Anteil haben darf. Beim zweiten Dinner-Gang, für den „Pfifferlingsuppe mit Verdacht auf Schnittlauch” angekündigt ist sind die Kriminologen erst einmal still. Kulinarisches verträgt sich nicht mit Kriminellem. Auf den Toiletten hingegen werden trotz des Wettbewerbs um den findigsten Detektiv heiße Beweisstücke ausgetauscht und sogleich zu neuen Kombinationen verwendet. Doch mit dem stillen Kombinieren am Tisch ist es nicht getan. Bereits beim Empfang hatte Schauspielerin Regina Lebherz einen großväterlich aussehenden Herren unter den Gästen ausgespäht. Bei einer der letzten drei Szenen, die Aufschluss über die Hintergründe des Mordes geben sollen, darf er, Stefan Schneider, nun den Asterix-lesenden Pfarrer mimen und gibt sich dabei wie ein Profi mit sorgendem Blick und fordernder Stimme. „Aufräumen!” fordert er vom weinenden Hausmädchen, das vor ihm gerade einen Liebesbrief zerreißt. Eifrig werden in den Detektiv-Teams familiäre und berufliche Verbindungen der Tatverdächtigen durchgesprochen, bevor pünktlich eine Stunde vor Mitternacht die Lösung von den Schauspielern verkündet wird und sich alle zur Feier des erfolgreich gelösten Mordfalls zufrieden die Hände schütteln.

Hoteldirektor Carsten Colmorgen selbst ist von seinem „Mörderischen Jubiläum” so begeistert, dass er es nun einmal monatlich für interne Firmentreffs oder exklusive Kundenabende anbieten wird. Und auch die Dinnergäste sind von der gelungenen Mischung aus lustigem Theater, kulinarischem Genuss und detektivischer Eigeninitiative begeistert. „Diese Veranstaltung werden wir unseren Bekannten weiterempfehlen,” verspricht Ingo Dahne – aber natürlich ohne zu verraten, wer denn nun der Mörder ist.

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