Stuttgarter Zeitung

Mörderspiel im Sl-Centrum zugunsten der Opfer von StraftatenZwei Polizeipräsidenten und ein TV-Kommissar raten mit

Die professionellen Ermittler tappen im Dunkeln

*von DANIELA EBERHARDT*

 	"Haben Sie ein Alibi?" fragt die Polizistin: Designer Robert (Dietz-Werner Steck). Obstbauer Bernd (Erwin Herger) und Schiauspieler Sascha (Martin Schairer) werden nervös (von links).

Isabel Dumont ist ermordet worden. Jeder im Saal ist verdächtig. 20 von 27 Sonderkommissionen ermitteln schließlich den richtigen Täter. Tatort-Kommissar Bienzle und die obersten Polizisten im Land liegen mit ihrem Team daneben.

Klassentreffen des Abiturjahrgangs 1986/87 in Schnetzenhausen am Bodensee. Knapp 300 Gäste sitzen gespannt im Saal des Grauen Bären, knabbern Gemüsesticks und frischen Erinnerungen auf. Plötzlich platzt die Kriminalpolizei in den Saal mit einer grausigen Mitteilung: Die frühere Französischlehrerin lsabel Dumont ist ermordet worden. Jemand hat sie zum Klassentreffen gelockt und erschossen. Alle sind verdächtig. Da hilft es auch nicht, wenn man Landespolizeipräsident ist und Erwin Hetger heißt. Selbiges gilt für Stuttgarts Polizeipräsidenten Martin Schairer und Tatort-Kommissar Ernst Bienzle (Dietz-Werner Steck). Die drei Experten in Sachen Kriminalistik und einige Kollegen sind am Samstag Ehrengäste im Sl-Centrum gewesen. Creative Partners, die Schauspieler und Organisatoren des Mörderspiels, haben auf ihre Gage verzichtet. Der Erlös, rund 7300 Euro, geht an den Weißen Ring, der sich um Opfer von Straftaten kümmert.

Jeder von uns kann jederzeit Opfer eines Verbrechens werden und ist dann froh über Hilfe und Unterstützung”, sagt Gosbert Müller, der Landesvorsitzende des Vereins. Viel wichtiger noch als die finanzielle Hilfe sei die Betreuung. Immer mehr Angehörige von Straftätern bedürften der Hilfe des Vereins.
„Da zerbrechen ganze Familien.” An diesem Abend ist glücklicherweise alles nur Spiel.

Noch während der getrüffelten Kartoffelsuppe beginnen die Verhöre. Dietz-Werner Steck ist, so will es die Regie,. Grafikdesigner Robert, sein Hobby ist Saxofonspielen. Ernst Hetger ist Obstbauer Bernd, der heimlich Schnaps brennt. Martin Schairer ist Schauspieler Sascha und sammelt moderne Kunst: „Ich bin zufrieden mit meiner Identität”, stellt er schmunzelnd fest. Nur dass er ausge­rechnet neben einem Obstbauern sitzen müsse. „Haben Sie überhaupt ein Alibi?” herrscht die Kommissarin den Grafikdesigner Robert an. „Wo waren Sie zwischen 17.30 Uhr und 18 Uhr? Eine falsche Antwort, und es gibt ein Polizeifoto.” Robert erstarrt – „Sie machen mich so nervös” -, aber dann fällt ihm der erlösende Satz ein.

Im wahren Leben gehe es bei Mord unspektakulärer zu, meinen die professionellen Ermittler. Als vor dem Schweinefilet auf Estragonsauce die Hauptverdächtigen – sie sitzen alle im Publikum – vernommen werden, hören Obstbauer Bernd und Schauspieler Sascha ganz genau zu und machen sich fleißig Notizen. Denn nachdem die Kriminalkommissarin sich als reichlich überfordert erweist, müssen die Gäste weiterermitteln. Jeder Tisch bildet eine Sonderkommission.

Der Obduktionsbericht und andere Ermittlungsprotokolle müssen geprüft werden. Agenten gilt es mit einem Gedicht, einem Lied oder einem Spiel zu bestechen, um weitere Dossiers zu bekommen. Kassetten wollen abgehört. Handynummern gewählt, Kofferschlösser geknackt sein.

„Zwei Täter und zwei Motive” lautet die Erkenntnis der Soko um Robert, Bernd und Sascha nach dem Griesflammeri. Leider haben sie bis zum Abgabetermin für ihre Ermittlungsergebnisse nur den halben Fall ergründet. „Wir müssten noch mindestens drei Zeugen befragen.” Zu spät. Die Kommissarin ist wieder Herrin der Lage, und allmählich entwirren sich die Umstände des Mordes. Ein Verdächtiger nach dem anderen kann ein Alibi vorweisen. Schließlich verkündet die Kommissarin, dass 20 der 27 Sonderkommissionen den richtigen Täter überführt haben. Hat da wer selbstkritisch „Blamage” geraunt?