Sindelfingen/Stuttgart: ,,Sizilianische Hochzeit“ ist die fünfte Produktion von Monika Nagler
Von unserem Mitarbeiter Ulrich Holthausen
Menü mit Mordanschlag
Palermo und seine illustre Geselschaft bitten zu einer großen ,,Sizilianischen Hochzeit” mit schlimmen Folgen. Denn diese Hochzeit ist bereits das fünfte Mörderspiel der Sindelfinger Produzentin Monika Nagler: Der bewährte Kriminal-Cocktail aus Theaterspiel, Rätselspaß und Gaumenfreuden wird im Möhringer SI-Centrum gereicht. –
Aus ganz Italien sind die Beluccis angereist und auch aus den Staaten ist die Familie herübergekommen. Ein Wiedersehen in Palermo. Die Stimmung ist gut, ja ausgelassen. Man will sich ja vermählen. Doch die Nervenkostüme scheinen angespannt. Und das liegt nicht nur an dem einen und anderen Mördanschlag. In diesen Kreisen schließlich gar nicht so ungewöhnlich – aber das Misstrauen bleibt greifbar. Und schon eine leichtfertig geäußerte Vermutung reicht, um das heiße Blut zum Kochen zu bringen. Vorsicht also – auch für die Krimifans beim Mitraten im interaktiven Theaterspiel.
Die Atmosphäre stimmt. Wie immer, wenn Monika Nagler und ihr „Creative Partners“ Team bei dieser außergewöhnlichen Art des Theaterspiels zum Mitspielen und Mitarbeiten bittet. Als eine der Pionierinnen in Deutschland präsentiert die Sindelfingerin die Idee der „Mörderspiele“, die die gelernte Hotelfachfrau nach einem Englandaufenthalt von den spielfreudigen Briten in die schwäbische Heimat importierte, jetzt seit zehn Jahren. Rund um ein mehrgängiges Abendessen inszeniert sich ein ausgeklügeltes Verbrechen. Und die Gäste werden zu Detektiven. Es gilt zu recherchieren und kombinieren, Spuren zu sichten und zu sichern. Und natürlich köstlich zu speisen.
Stegreif ist gefragt
Gefordert in dieser ungewöhnlichen Unterhaltungsform sind vor allem die Darsteller. Trotz festem Stück- und Spielverlauf sind Improvisation und Stegreif gefragt um auf das mitspielende Publikum einzugehen. Denn das reagiert und agiert ja durchaus unterschiedlich. Und von diesem Zusammenspiel lebt die Wirkung der Inszenierung. „Kein Improvisationstheater, aber dennoch diesen Reiz“ fasziniert auch Darsteller wie Susanne Heigl, Sebastian Schäfer und Moritz Gaa aus der Stuttgarter Bühnenszene an dieser Bühnensituation.
Zusammen mit den beiden Darstellern Manuel Jendry und Stefan Hossfeld (Regie) hat Monika Nagler das neue Mörderspiel von der „Sizilianische Hochzeit“ geschrieben. Tipps, Hinweise, Spuren sind gelegt.
Und auch das Publikum ist ins Spiel eingebunden. Alles liegt greifbar auf der Hand. Und führt doch nicht ans Ziel Nichts passt so recht zusammen, die Ermittlungsergebnisse werden immer zweifelhafter. Immer wieder gilt es das Beweismaterial zu sichten, die Informationen aus der Hochzeitszeitung neu zu bewerten. Und der Stuttgarter Musiker Ingo Clauder spielt ungerührt noch eine Tarantella dazu
Als Spiel im Spiel
Diesmal sind keine Teamlösungen gefragt. Ganz zeitgemäß gilt es ein Netzwerk zu bilden um sich der Lösung zu nähern. Noch immer Fragen? Mit den klassischen Figuren der Commedia dell‘arte als Spiel im Spiel beantworten sie die Schauspieler darstellerisch in Theatersport-Manier auf Zuruf und überraschen damit selbst den versierten Mörderspielfan nachhaltig.
Die Zeit der zahlreichen Testläufe wie zuletzt auch im Sindelfinger Café Paletti im Oktogon ist vorbei. Jetzt muss jeder Schuss sitzen. Über das ganze Jahr wird die „Sizilianische Hochzeit“ im SI-Centrum zu sehen sein. Zahlreiche Gastspielreisen durch die ganze Republik sind schon terminiert. Die Idee der Mörderspiele ist auch in Deutschland angekommen.