Prinz

Der Mörder ist nicht immer der Gärtner

Einmal Sherlock spielen zwischen Garnelen, Lammkeule und Erdbeermousse:
Das Mörderspiel feiert sein 10-Jahr-Jubiläum und bietet eine gute Mischung aus Theater, Krimi und Dinner

London im Jahr 1923. Wir sind auf einem Pharmakongress. Der Aperitiv wird gereicht. Unter dem Publikum sind unter anderem ein Bobby, eine resolute Frau, die gegen den Sittenverfall kämpft, und eine extravagante Witwe. Dann Gekreische, Schüsse, Blut. Noch vor der Vorspeise geschieht ein Mord – und die rund hundert Gäste sind die Ermittlungshelfer von Officer Miller. Beim „Tödlichen Kongress” im SI-Centrum geht es turbulent zu. In der Garderobe bereiten sich an diesem Abend sechs Schauspieler auf ihre Auftritte inklusive Befragungen von den Gästen vor. Die Geschichte muss nahtlos stimmen. Denn die rund hundert Hobbydetektive finden jede Lücke. Gemeinsam mit dem Tischnachbarn wird gerätselt: Wer hat ein Alibi? Wer ein gutes Motiv?
Das Mörderspiel steht in der Tradition der „Detective Novels” , wie sie von Edgar Allan Poe erschaffen und von Sir Arthur Conan Doyle fortgeführt wurde, plus einer großen Prise Interaktion. Beim Mörderspiel kommen kriminalistische Unterhaltung und Kulinarik zusammen – und das Konzept wird immer populärer. Inzwischen gibt es viele andere und doch sehr unterschiedliche Angebote wie Dinnerkrimi und Krimidinner in der gesamten Bundesrepublik. Produziert werden die interaktiven Abende namens Mörderspiel von der Sindelfinger Agentur Creative Partners. Vor zehn Jahren hat deren Chefin Monika Nagler das erste Mörderspiel inszeniert, inzwischen stehen vier Stücke auf dem Spielplan, die zur Hälfte öffentlich gespielt – wie beispielsweise im SI-Centrum – zur anderen exklusiv für Festivitäten gebucht werden. Dreh- und Angelpunkte der Stücke sind Klassentreffen, Kongresse, Hochzeiten & Co. – gesellschaftliche Events, bei denen es zu einem Mord kommt. Denn „Mord ist so schön vielschichtig”, sagt Monika Nagler, die die Idee aus England importiert hat. Inzwischen planen, koordinieren und organisieren sie und ihr Team rund 160 Veranstaltungen im Jahr, bei denen um die dreißig Künstler und Musiker beteiligt sind. Auch schon auf der MS Europa, unter Tage in einem Salzbergwerk oder in einem Kloster hat das Mörderspiel Station gemacht. Zurück ins SI-Centrum, einem der festen Spielorte des Mörderspiels. Zurück ins Jahr 1923. Zwischen Vorspeise, Hauptgang und Desserts werden Beweismaterialien gesichtet, Liebesbriefe zusammengesetzt, Undercover-Agenten eingeschleust, bis dann der Täter überführt werden kann, und sich die Gäste freuen, wenn sie auf der richtigen Spur waren. Wer nun der Mörder war? Der Gärtner war es nicht. (Anja Wasserbäch)

Die Mai-Termine im SI-Centrum sind bereits ausverkauft:
www.moerderspiel.com; andere Veranstalter sind www.dinnerkrimi.de und www.krimidinner.de

Fotos: Steffen Schmid (5)

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